Der Renault Duster hat sein grobes Holzfällerhemd gegen einen modernen Freizeitanzug getauscht. Zumindest wirkt das auf den ersten Blick so, denn der rumänisch-französische Dauerbrenner fährt sich plötzlich erstaunlich kultiviert.
Die große Angst, dass er damit seine Seele verkauft hat und zu einem weiteren weichlichen Vorstadt-Crossover verkommen ist, bleibt zum Glück unbegründet.

Sie sollten wissen: Die neu gewonnene Laufruhe auf Asphalt verdankt der kompakte Softroader dem Wechsel auf die moderne CMF-B-Plattform. Er federt verbindlicher und schluckt Bodenwellen souveräner als jemals zuvor. Dennoch hat er glücklicherweise nichts von seiner no-nonsense-Einstellung eingebüßt, was Platzangebot und Preis-Leistungs-Verhältnis angeht.

Weitere Infos: Optisch macht er mächtig auf dicke Hose: Kantiger, selbstbewusster und mit einer robusten Ausstrahlung, die in der Masse der glattgelutschten SUVs positiv auffällt. Praktisch bleibt er ohnehin: Der Kofferraum der hier getesteten Allradversion schluckt familiengerechte 430 Liter. Zudem zeigen clevere Ideen wie das modulare „YouClip“-Befestigungssystem im Innenraum, dass der Nutzwert weiterhin regiert. Wer Allrad nicht zwingend braucht, bekommt die 4×2-Modelle „Zen“ und „Intens“ (mit Automatik) für rund R500.000 bis R520.000.

Warum eher nicht: Die Kröte, die Duster-Puristen schlucken müssen: Einen rudimentären, nackten 4×4-Schalter für kleines Geld gibt es nicht mehr. Der Weg ins Gelände führt zwingend über diesen 1.2-Liter-Mildhybrid mit manueller 6-Gang-Box für stolze R550.000. Schade ist auch, dass unser metallic-grüner Testwagen mit einem halben Dutzend piepender Assistenzsysteme bevormundete – das beißt sich gewaltig mit dem rustikalen Charme, den wir an den Vorgängern so geliebt haben.

Was noch: Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass wir gegen digitale Windmühlen kämpfen. Ein Auto ohne Touchscreens und Kameraüberwachung ist heute quasi unverkäuflich, und der Aufschrei über eine “veraltete” Ausstattung wäre massiv. Die gute Nachricht: Wenn das Piepsen erst einmal abgestellt ist, kraxelt der Duster abseits der Straßen wie eine Bergziege. Satte 217 Millimeter Bodenfreiheit, gepaart mit einem Böschungswinkel von 31 Grad vorne und 36 Grad hinten, lassen ihn lässig über Hindernisse klettern, an denen die Konkurrenz längst aufsitzt.

Warum Sie sollten: Weil das Herzstück – der winzige Vierzylinder gepaart mit dem Hybrid-System – erstaunlich gut funktioniert. Die 96 kW und 230 Nm (ab 2.000 Touren) haben mit dem kompakten Kraxler leichtes Spiel. Er wirkt spritzig, und der moderne Antriebsstrang harmoniert einigermassen gut mit dem manuellen Getriebe. Wer sich auf das Downsizing einlässt, bekommt einen äußerst fähigen Begleiter, der den Spagat zwischen Alltag und Abenteuer mühelos meistert.

Fazit: Auf dem futuristischen zentralen Bildschirm wurden wir mit einem “Eco-Score” von 56 (vermutlich aus 100) für unsere Fahrweise bewertet. Renault gibt einen extrem optimistischen Verbrauch von 5,7 Litern auf 100 km an, was den 50-Liter-Tank zu einem Langstreckenläufer machen würde. Am Ende des Tages bleibt der Duster ein herrlich ehrliches Auto. Das standardmäßige Garantiepaket (5 Jahre/150.000 km) und der Serviceplan (3 Jahre/45.000 km) schnüren ein beruhigendes Gesamtpaket.

VOLLSTÄNDIGE SPEZIFIKATIONEN
- Motor: 1.199 ccm Reihen-Vierzylinder-Turbobenziner (Mild-Hybrid)
- Getriebe: 6-Gang-Schaltgetriebe, 4WD
- Max. Leistung: 96 kW bei 4.500 – 5.500 U/min
- Max. Drehmoment: 230 Nm bei 2.000 U/min
- Durchschnittsverbrauch: 56 Eco-Score (Herstellerangabe 5,7 L/100 km)
- 0-100 km/h: Keine Angabe
- Höchstgeschwindigkeit: Keine Angabe
- Listenpreis: R549.999