Testfahrt: Honda Civic Type-R (FN2)

Der unmögliche Traum

Vor vier Jahren, acht Monaten und sechzehn Tagen habe ich ein Auto getestet das so einen Eindruck auf mich gemacht hat, daß ich ihm eine ganze Reihe von gemischten CD’s widmete und die Tage zählte bis wir uns wieder trafen. Dieser Tag kam letzte Woche als der Honda Civic Type-R eine Ehrenrunde bei mir drehte.

Ehrenrunde weil die Form des Civics sich bald verändert und Honda sich gerne als “socially responsible corporate citizen” bezeichnet. Bei dieser Einstellung gab es keinen Platz mehr für den NSX, Formel 1, S2000 und bald den Type-R. Erst letzte Woche wurde seine Nachfolger und ein neuer NSX angekündigt.

Na gut, der neue Type-R wird uns bald terrorisieren und ich könnte meinen Bericht hier aufhören weil der Alte bald Vergangenheit ist. Nicht ganz… der Nachfolger hat große Schuhe zu füllen und ich bin nicht der Einzige, der denkt, daß diese FN2 Version ein Klassiker wird und in meine Traum-Garage gehört.

Als Erstes sieht der moderne Civic Stufenheck viel besser aus minus zwei Türen plus ein paar Lippen, Spoiler und Raddurchmesser. Die Kabine ist genauso verrückt und die roten Schalensizte sind beinahe unmöglich beim Einsteigen, Aussteigen und der Sitzposition.

Es wird schlimmer. Der Metall-Ganghebel verstärkt die Außentemperatur, die Sicht nach Hinten wird in zwei blöde Streifen geschnitten, wovon der untere mit polarisierter Sonnenbrille zum Regenbogen wird. Die Sicherheitsgurte sind schwer zu greifen, die Nase ist zu tief, die Türen zu groß und der Type-R mag kein Gewicht, Höhe oder Hitze.

Aber das furchtbarste am Wagen ist seine stein-harte Federung; man drücke auf einen Kotflügel und er bewegt sich kaum einen Zentimeter. Die Radaufhängung besteht möglicherweise aus Beton und es scheint als ob der einzige Federweg von den hauchdünnen Reifen kommt.

Kombiniert mit den straffen Sitzen, bekommen alle Insassen eine freie und endlose Massage auf allem außer super-glattem Teer. Der Type-R bringt jeden Belagdetail in die Kabine; Schlaglöcher und “speed bumps” sind schrecklich, Einfahrten sind gefährlich und selbst geglättete Baustellen produzieren einen merkbaren Schlag.

Diese erschütternde und anstrengende Art der Fortbewegung wird jeden potenziellen Kunden außer die Puristen verscheuchen, denn sie wissen, daß beinahe solide Federung eine stramme, schnelle Straßenlage mit sich bringt. Dann kommt noch ein Sperrdifferenzial dazu und der Type-R wird zum wilden Kurvenflitzer.

Natürlich kann man den Wagen zum Untersteuern oder in die Arme seiner elektronischen Hilfsmittel bringen, aber nur wenn man wie ein Vollidiot fährt. Innerhalb seines Grenzbereich ist der Type-R unglaublich belohnend, auch wegen seiner direkten Lenkung, zackigen sechs Gänge und das übermütige Ansprechen des Gaspedals.

Und so kommen wir zum besten Teil: dem Motor. Genau wie die andere Mechanik, platzt die Maschine beinahe vor Renntechnik, ist etwas aggressiv und total übermütig. Der 147kW (201PS) 2-Liter Motor soll eigentlich im Schnitt 9.6L/100km verbrauchen aber brüllt und strampelt sich gerne zu 11 bis 15.

Ein paar Gründe für seine lebhafte Natur sind der Leichtbau, identischer Hub und Bohrung, intelligente VTEC Ventilsteuerung und Einzeldrosselkappen. Eine Drosselkappe ist wie ein moderner Vergaser, wovon man eigentlich nur einen braucht. “Einzel” heißt, daß der Type-R einen pro Zylinder hat. Also vier.

Dieses Übertreiben wird nur von Fanatikern wie BMW M benutzt und bringt katastrophischen Verbrauch, brutale Leistungsteigerung und orgasmische Geräusche mit sich. Er brummt und zischt sowieso schon, aber versohlt man ihm den Hintern und er hämmert eine multi-Oktaven Melodie bis an seinen wupp-wupp 8,200U/Min Begrenzer.

Und da haben wir das Gesammtbild. Der Type-R hat nur einen Trick, sieht aggressiv aus, fährt wie ein Turbo Rollbrett und klingt wie ein Rennwagen. Er wird nicht sanft und ruhig schaffen weil er’s einfach nicht kann. V-max ist 235km/h und unser GPS notierte 0-100km/h in lauten, dritten-Gang-Gummi 6.9 Sekunden. Hallo, GTi.

Ausstattung ist ziemlich egal weil niemand den 1,299kg Verrückten kauft wegen seiner tollen Klimaanlage, Radio/CD/USB/Aux/mp3 Hi-Fi oder fernbedienter Zentralverriegelung. Er hat auch automatische Scheinwerfer und Scheibenwischer, eine 60/40 faltbare Rückbank, verstellbares Multifunktionslenkrad und sechs Getränkehälter.

Man bekommt auch elektrische Servolunkung, Fensterheber und (heizbare) Außenspiegel. Auch dabei, Tempomat, ESP, ABS, EBD, EBA, hintere Parksensoren, sechs Airbags, ISOFIX Anker, Alarm, Wegfahrsperre, Aluminiumpedalen, viele Piepser, einen Motor Startknopf und gekühltes Handschuhfach.

Ihre N$331,365 werden eine 3-Jahre/100,000km Garantie und 5-Jahre/90,000km Wartungsplan ins Leben rufen, aber ich wurde informiert, daß es nur noch Vorrat bei sehr wenigen Händlern gibt. Der Honda Civic Type-R ist einer der letzten wilden Schreihälse und weil sein Nachfolger angäblich eine Turbo besitzt, schlage ich vor Sie rasen zum nächsten Honda Händler bevor ich es schaffe.


Bilder


Leistung

0-10km/h:    0.5s
0-20km/h:    1.1s
0-30km/h:    1.7s
0-40km/h:    2.5s
0-50km/h:    3.2s
0-60km/h:    3.8s
0-70km/h:    4.4s
0-80km/h:    5.0s
0-90km/h:    5.9s
0-100km/h:    6.9s
0-110km/h:    8.2s
0-120km/h:    9.5s
0-130km/h:    11.4s
0-140km/h:    13.1s

0-100m:        6.3s / 93.8km/h
0-200m:        9.5s / 119.8km/h
0-300m:        12.3s / 135.1km/h
0-400m:        14.7s / 149.4km/h

0-60mph:    6.5s
1/4mile:    14.8s @ 93.0mph (149.7km/h)

=====ADDITIONAL NOTES=====

Temp       23°C
Climate     Sunny, warm
Altitude    101m
Road        Dry tarmac, level
Occupants  Driver, no passengers
Fuel level    1/2

Leave a Comment