Vorstellung: Volkswagen Amarok

Der Deutsche Herausvorderer

Manchmal tut ein bischen sturmfreie Bude doch gut. Kaum hatte der Chef sich auf einen bunten Airbus in Richtung Deutschland gesetzt und ich übernam die Kontrolle im Büro. Sofort sortierte ich alle Reißzwecken neu, trank den gesamten Vorrat Kaffee aus, ruhte meine Füße auf dem Schreibtisch und buchte mich zur Vorstellung des neuen Volkswagen Amarok.

Vergessen wir mal, daß ich allein im Büro war, daß ich Fliegen hasse, und daß ich ähnliche Gefühle über Doppelkabiner “Bakkies” (pick-ups) habe. Ich gebe gerne zu, daß der sogenannte “Double Cab” fantastisch erfolgreich und begehrt ist weil er sich so perfekt an den Namibischen Lebenstil angepaßt hat.

Aber seine zappelige Straßenlage und die gespaltene Persönlichkeit halten mich meistens fern von viertürigen Lieferwagen. Macht nichts, dachte ich, als ich in ein zehnfach kleineres Flugzeug kletterte und mich auf eine Rückkehr in das freundliche Port Elizabeth freute.

Meine Mission für die nächsten zwei Tage war kristallklar – herauszufinden, ob die Deutschen ein Produkt auf die Beine gestellt haben, das weniger nervös und unberechenbar ist als die gewohnten Zappelfritzen, die ich immer so vehement vermeide.

Der erste Kontakt war mit einem ganzen Nest Amaroks, die sich vor einem schicken Hotel gegen den kühlen Wind zusammengekuschelt hatten. Die Konkurenz darf gerne weiterfiebern; der neue Vau-Weh sieht in Natura noch größer, klobiger und beeindruckend aus als auf Ihrem Flachbildschirm daheim.

Dieser eckige Entwurf und die stumpfe Nase untermalen Form und Proportionen, die kaum vor harter Arbeit und/oder schlechten Straßen zurückscheuen werden. Laut Volkswagen ist der große pick-up deshalb Klassenbester wenn’s zu Kabinenplatz und Tragfähigkeit kommt.

Mit Ihren Zielfernrohren auf 1-Tonner 4×4 (Allradantrieb) Diesel Doppelkabiner gerichtet hat VW den Amarok (Inuit für Wolf, übrigens) über 8 Millionen Kilometer getestet, und zielt mit Ihrem Argentinisch-gebauten Neuling hauptsächlich auf die pick-up-verrückten Südafrikaner, Südamerikaner und Australier.

Erhältlich in 4×2 oder 4×4 (4Motion) Ausgabe, hat man auch die Wahl von drei 2-Liter Turbo Motoren; zwei Diesel und einen Benziner. Hinterradantrieb bekommt eine zuschaltbare Differentialsperre für schweres Gelände, die 4Motion Systeme können selbst bei voller Fahrt auf 4×4 geschaltet werden oder bei Stillstand in die niedrigen Gänge.

Zwei Ausstattungen, Trendline und Highline, teilen das Angebot noch weiter und unterscheiden sich durch ESP mit Gelände-Modus und Anhänger-Assistant für die teurere Option. Die ABS Bremsen können auf allen Modellen in einen Geländemodus geschaltet werden, der den Bremsweg auf rutschigem Belag drastisch reduziert.

Amarok hat auch eine Berganfahr- und Abfahr-Hilfe, 2.8 Tonnen Abschleppgewicht, eine 12V Steckdose und LED Licht im Lieferbett, beste Bodenfreiheit in seiner Klasse, 50/50 faltbare Rückbank, 12.95m Drehkreis, 80L Kraftstofftank und ein knackiges sechs-Gang Schaltgetriebe samt stämmiger Kupplung.

Die Federung besteht hinten aus (Schluck) Blattfedern, die umsonst für härteres Eisen ausgewechselt werden können. Aufpreispflichtige Extras sind hintere Parkhilfe (ein pick-up Erstes), Ledersitze, Metalllack, Bluetooth und USB Schnittstellen, größere Räder und eine Vielfalt an glänzenden Schmuckstücken.

Qualität und Material in unserem Pressewagen war ausgezeichnet; und überraschend PKW-ähnlich. Die Ausstattung enthält Servolunkung, Klimaanlage, Tempomat, elektrische Fenster und Spiegel, Radio/CD/mp3, fernbediente Zentralverriegelung, vier Airbags, Alarm und Wegfahrsperre, verstellbares Steuerrad und Vordersitze, etliche Handschuhfächer und hintere ISOFIX Sitze.

Die Amarokko-rokko Testfahrt begann auf Straßen und Autobahnen, die der Wagen spielerisch eroberte. Alle Bedienelemente sind leicht und einfach zu verstehen, alles sitzt wo und tut wie man es erwartet. Typisch Volkswagen, eben.

Meine Angst vor einer zitternden und unberechenbaren Straßenlage blieb lange unbegründet, die solide Konstruktion des Amarok verleiht dem Fahrer genügend Vertrauen um das Potenzial des Wagens zu erforschen. Der wunderschöne Baviaanskloof war die Umgebung für ein Dutzend Amaroks um fröhlig nagelnd ihre Geländetauglichkeit zu Testen.

Der dreh-lustige Turbo-Diesel ist einigermaßen laut, das leichte Heck weckt gerne mal das ESP Licht, aber Schotterstraßen sind dank seiner elektronischen Sicherheitsausstattung kein Problem für das tadellose 2010 Dakar Rally Werksauto.

Zeigen Sie dem Amarok ein paar Schlote, etwas Wasser, einen Berg oder zwei, Steine oder Sand, und der Deutsche marschiert brav weiter. Was Volkswagen somit gebaut hat, ist die neueste und beste Version von Südafrika’s Lieblingsauto mit etlichen Bestnoten und Neuheiten.

Sie meinen auch, den sparsamsten pick-up der Welt fabriziert zu haben mit einem Durchschnittsverbrauch von 7.9L/100km; wir schafften eindrucksvolle 9.5 auf unserer harten Testroute und danksei sechs Gänge ließen die einzel- oder doppel-Turbo Motoren uns nie im Stich.

Und, schon überzeugt? Der Trendline 90kW/340Nm TDi 4×2 kostet N$316,800 oder N$364,400 für den 4×4. Der 120kw/400Nm BiTDi 4×2 ist N$342,400 und der 4×4 N$390,000. Ein 2-Liter 118kw/300Nm Turbo-Benziner (noch eine Neuheit) wird gegen Ende Februar 2011 erwartet.

Amarok sollte seine Erscheinung bei den örtlichen Händlern im November 2010 machen, eine gewaltige Warteliste vor sich herschieben, und mit einer 3-Jahre Garantie und einem 5-Jahre 90 000km Dienstplan angeboten werden.

Der Deutsche Riese hat warscheinlich grade den Südafrikanischen Doppel-kabiner Markt auf den Kopf gestellt, aber ich muß schnellsten Kaffee kaufen bevor Hans zurückkommt.

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